19. Oktober

Es ist gut und heilig, an das Leiden des Herrn zu denken und es zu betrachten; denn so gelangen wir zur Vereinigung mit Gott. In dieser heiligen Schule lernen wir die wahre Weisheit, dort haben alle Heiligen sie gelernt. Wenn das Kreuz seine Wurzeln tiefer in eure Herzen senkt, werdet ihr rufen: „Leiden, nicht sterben!“ oder: Entweder leiden oder sterben!“ oder noch besser: „Weder leiden noch sterben, sondern volle Bekehrung zum Willen Gottes!“

(Auszug aus der Lesung der Lesehore am Gedenktag des heiligen Paul vom Kreuz)

15. Oktober

 

Allmächtiger Gott, du hast die heilige Theresia von Jesus durch deinen Geist erweckt und sie der Kirche als Lehrmeisterin des Weges zur Vollkommenheit geschenkt. Gib, dass wir in ihren Schriften Nahrung für unser geistliches Leben finden. Durchdringe uns mit der Gewissheit, dass du allein genügst, und entzünde in uns das Verlangen nach Heiligkeit. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

(Oration am Gedenktag der heiligen Teresa von Avila)

14. Oktober

Die Liebe zu Gott muss uns nicht erst gelehrt werden. Wir haben nicht von jemand anderem gelernt, uns über das Licht zu freuen, nach dem Leben zu verlangen, die Eltern oder Ernährer zu lieben. So, ja noch viel mehr ist die Gottesliebe von äußerer Unterweisung unabhängig; sobald vielmehr dieses Lebewesen Mensch ins Dasein trat, wurde uns wie ein Keim die Kraft eingepflanzt, die von Haus aus die Fähigkeit und Geneigtheit zu lieben enthält. Wenn diese Kraft in die Schule der göttlichen Gebote kommt, wird sie mit Gottes Hilfe sorgfältig entwickelt, weise gefördert und schließlich zur Reife gebracht.

(Auszug aus der Lesung der Lesehore)

13. Oktober

„Feiert und seht, dass ich Gott bin!“1 Das wird wahrhaftig der größte Sabbat sein, der keinen Abend kennt, der Sabbat, auf den schon bei der Erschaffung der Welt hingewiesen wurde. „Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.“2 Wir werden selbst der siebte Tag sein, wenn wir durch seinen Segen und seine Heiligung vollendet und neu geschaffen sind. Dann werden wir feiern und erkennen, dass er Gott ist.

(Auszug aus der Lesung der Lesehore)

12. Oktober

Mensch, was du liebst, in das wirst du verwandelt werden:
Gott wirst du, liebst du Gott – und Erde, liebst du Erden.
Mensch, werde wesentlich! Denn wenn die Welt vergeht,
so fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.
Ich glaube keinen Tod. Sterb´ ich gleich alle Stunden,
so hab´ ich jedesmal ein besser Leben funden.
Aus Liebe wird Gott ich, und ich aus Gnaden Er:
es kommt ja all mein Heil nur bloß von ihme her.
Wer auch im Nächsten nichts als Gott und Christum sieht,
der siehet mit dem Licht, das aus der Gottheit blüht.

(Auszug aus der Lesung der Lesehore)

11. Oktober

Als Christus die Welt mit Gott versöhnte, bedurfte er selbst keiner Versöhnung. Für welche Sünde hätte er auch Sühne leisten sollen, da er keine Sünde kannte. Als die Juden zum Beispiel die Doppeldrachme verlangten, die nach dem Gesetz für die Sünde zu entrichten war, sagte Jesus zu Petrus: „Was meinst du, Simon? Von wem erheben die Könige dieser Welt Zölle und Steuern? Von ihren eigenen Söhnen oder von den anderen Leuten? Als Petrus antwortete: Von den anderen, sagte Jesus zu ihm: Also sind die Söhne frei. Damit wir aber bei niemand Anstoß erregen, geh an den See und wirf die Angel aus; den ersten Fisch, den du heraufholst, nimm, öffne ihm das Maul, und du wirst ein Vierdrachmenstück finden. Das gib den Männern als Steuer für mich und für dich.“ Er zeigt, dass er es für sich nicht nötig hat, Sünden zu sühnen; denn er war nicht Sklave der Sünde, sondern der Sohn Gottes, von jedem Irrweg frei. Der Sohn befreit, der Knecht ist in Schuld. Er ist also frei von allem und gibt keinen Lösepreis für sein eigenes Leben. Doch war sein Blut als Preis mehr als ausreichend, um die Welt von allen Sünden freizukaufen.

(Auszug aus der Lesung der Lesehore)

10. Oktober

Der wahre Gottessohn ist Christus nur allein,
doch muss ein jeder Christ derselbe Christus sein.

Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren,
und nicht in dir: du bleibst noch ewiglich verloren.

Der Himmel ist in dir und auch der Höllen Qual:
Was du erkiest und willst, das hast du überall.

Mensch, wird das Paradies in dir nicht erstlich sein,
so glaube mir gewiss, du kommest nimmer drein!

(Auszug aus der Lesung der Lesehore)