Der Heilige Geist, der der Kirche innewohnt, ist also nicht ein fremder Gast, sondern die Seele, die die Gemeinschaft zu einem ”heiligen Tempel Gottes” formt. Der einzelne Christ wird durch seine persönliche Umkehr vom Heiligen Geist auf dem Weg der Heiligung geführt.
So können wir den Heiligen Geist als Seele unserer Seele und als Geheimnis unserer Heiligung bezeichnen. Lassen wir zu, dass seine starke Gegenwart in uns innewohnt und wirkt und uns auf liebende Weise immer mehr nach seinem Willen formt.
Heute wollen wir über den mystischen Leib Christi, das heißt über die Kirche sprechen, insofern sie vom Heiligen Geist belebt und beseelt wird. Denn die Kirche ist von Anfang an dem Heiligen Geist anvertraut, der sie durch sein Wirken wachsen läßt. Seiner Gegenwart verdanken die einzelnen Christen ihr Leben in der Gemeinschaft der Kirche, das mit der Taufe beginnt: ”Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen” (1 Kor 12,13).
Das Gebet der drei Jünglinge im Feuerofen, das uns das dritte Kapitel des Buches Daniel überliefert, ist ein großartiger Lobgesang. In ihm macht sich der Mensch zum Sprachrohr der gesamten Schöpfung, um Gott zu danken.
Selbst in Todesgefahr verstummt der Lobpreis nicht: Zu jeder Zeit wissen die gläubigen Beter um den mächtigen Beistand dessen, der sie erschaffen hat. Hier erweist sich die Kraft des vertrauensvollen Gebetes, das nicht aufhört in Dankbarkeit Gott als den Herrn in allen Lebenslagen zu bekennen.
Durch die Einbeziehung in das österliche Geheimnis, gelangen auch wir Menschen nach unserem irdischen Dasein zur vollen Teilhabe an der Liebe des Vaters.
“Himmel” meint also eine lebendige und persönliche Beziehung zur Heiligen Dreifaltigkeit. Dieser Begriff beschreibt die Begegnung mit dem Vater, die im auferstandenen Christus geschieht durch die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Dieses ist unser aller Ziel.
Heute möchte ich zu Euch über den Begriff “Himmel” in der Bibel sprechen. Zunächst ist damit ein Teil des Universums gemeint. Im übertragenen Sinn aber umschreibt dieses Wort die Wohnung Gottes. Dann wird es zum umfassenderen Bild für das Leben des Menschen in Gott. Im Neuen Testament wird dieser Begriff weiter vertieft und in Zusammenhang mit der Menschwerdung und der Sendung Jesu Christi gebracht. Die Menschen erfahren das Vatersein Gottes durch die Liebe seines Sohnes, der gekreuzigt wurde und in den Himmel aufgefahren ist. Jetzt sitzt er dort zur Rechten des Vaters.
In euch begegne ich erlösten Menschen, für die Christus sein Blut vergossen hat. Dieses Blut spricht zu euch von der unendlichen Liebe des Vaters und seines Sohnes Jesus Christus, von seiner Liebe für euch und für die gesamte Menschheit. Es ist für euch die Quelle einer Freude, die größer ist, als die Welt sie geben kann, nämlich die Freude, lieben zu können und sich geliebt zu wissen. Dieses Blut gibt euch die Kraft von oben, die notwendig ist, um ein neues Leben zu beginnen.“
„Der Herr ist König, er hat sich mit Hoheit bekleidet und mit Macht umgürtet – gewaltiger als das Tosen der Wasser ist der Herr in der Höhe“ (vgl. Ps 93, 1. 4). Psalm 93 besingt das Königtum Gottes und seine Erhabenheit über die Schöpfung.
Gottes Hoheit erzeugt im gläubigen Menschen Vertrauen und Hoffnung: Auch die „Unwetter“ der Geschichte und die Mächte der Finsternis heben die Souveränität Gottes über das Werk seiner Hände nicht auf. Gott bleibt der Herr! Wer ihm vertraut, findet Ruhe auch in Zeiten der Bedrängnis. Darum wissend, beten wir täglich im „Vaterunser“ um das Kommen seines Reiches. In der Bitte „Dein Reich komme!“ bekennen wir uns zum Königtum Gottes, der gewaltiger ist als die Fluten jeder menschlichen Bedrohung.
Fortsetzung Wir beenden unsere Reflexion über Psalm 93, indem wir das Wort an Gregor von Nazianz, den »Theologen« schlechthin unter den Vätern, weitergeben. Wir tun es durch eines seiner schönen Gedichte, in denen der Lobpreis an Gott, den Schöpfer und Herrscher, einen dreifaltigen Aspekt annimmt:
»Du [Vater] hast das Universum erschaffen und jedem den Platz zugewiesen, der ihm zukommt; du erhältst ihn kraft deiner Vorsehung … Dein Wort ist Sohn-Gottes: Er ist wirklich eines Wesens mit dem Vater, ihm an Ehren gleich. Er hat das Universum harmonisch geordnet, um über alles zu herrschen. Und indem Gott der Heilige Geist alles umfängt, sorgt er für alles und schützt es. Ich will dich verkündigen, lebendige Dreifaltigkeit, eine und einzige Herrscherin, …dich, unerschütterliche Kraft, die die Himmel festigt, dich, unzugängliches Auge, das das ganze Universum anschaut und die verborgenen Tiefen der Erde bis in den Abgrund kennt. O Vater, sei mir gnädig … Lass mich Erbarmen und Gnade finden, denn dein ist der Ruhm und die Ehre ohne Ende bis in Ewigkeit« (Carme 31, in: Poesie/1, Roma 1994, Ss. 65 –66).
Als Widerhall auf diesen Psalm ist die Offenbarung des Johannes zu betrachten, wo der inspirierte Schriftsteller in der Beschreibung der großen Schar im Himmel, die über den Untergang Babylons jubelt, bekräftigt: »Da hörte ich etwas wie den Ruf einer großen Schar und das Rauschen gewaltiger Wassermassen und wie das Rollen mächtiger Donner: Halleluja! Denn König geworden ist der Herr, unser Gott« (19, 6).
Gott ist Herr über alles, allmächtig und unbesiegbar; er ist seinem Volk, dem er seine Weisungen erteilt, immer nahe. Das ist der Leitgedanke, den Psalm 93 in seinem letzten Vers anbietet: Auf den höchsten Himmelsthron folgt der Thron der Arche des Tempels von Jerusalem. Anstelle der Macht seiner kosmischen Stimme tritt die Milde seines heiligen und unfehlbaren Wortes: »Deine Gesetze sind fest und verlässlich; Herr, deinem Haus gebührt Heiligkeit für alle Zeiten« (V. 5).
So endet ein kurzer, aber bewegender Hymnus. Er ist ein Gebet, das den Gläubigen Vertrauen und Hoffnung einflößt, wenn sie oft beunruhigt sind und fürchten, von den Umwälzungen der Geschichte verschlungen und von dunklen, bedrohlichen Mächten ergriffen zu werden.