04. März – Ganz Dein…

Abgesehen von den Standestugenden müssen wir unter den übrigen die wertvollsten wählen, nicht die auffallendsten. – Die Kometen erscheinen dem Auge größer als die Sterne, sind aber unvergleichlich kleiner und geringer; sie erscheinen aber größer, weil sie uns näher sind. So gibt es auch gewisse Tugenden, die uns näher liegen und deshalb augenfälliger, sozusagen greifbar erscheinen; daher werden sie gewöhnlich höher eingeschätzt. So zieht man meist eine Geldspende einem geistlichen Almosen vor; den Bußgürtel, das Fasten, die Geißel, Kasteiungen des Leibes der Sanftmut, Güte, Bescheidenheit und den Überwindungen des Herzens, die zweifellos wertvoller sind. – Wähle also die wichtigen Tugenden, nicht die beliebten, die vorzüglichen, nicht die auffallenden, die besseren, nicht die glänzenden.

(Franz von Sales)

03. März – Ganz Dein…

Jeder Beruf verlangt besondere Tugenden; ein Bischof muss andere Tugenden pflegen als ein Fürst, andere der Soldat als die verheiratete Frau, andere eine Witwe. Alle müssen zwar alle Tugenden üben, aber nicht in gleicher Weise; jeder soll sich vielmehr besonders um jene bemühen, die der Lebensweise entsprechen, zu der er berufen ist.

(Franz von Sales)

02. März – Ganz Dein…

Unter den Tugenden müssen wir jene vorziehen, die den Pflichten unseres Berufes entsprechen, nicht jene, die uns mehr zusagen. Die hl. Paula liebte strenge Kasteiungen, um durch sie geistliche Tröstungen zu erlangen; zum Gehorsam gegen ihre Vorgesetzten aber war sie verpflichtet. Der hl. Hieronymus tadelte sie deshalb, dass sie gegen die Weisung ihres Bischofs zu viel gefastet habe. Es war die Aufgabe der Apostel, das Evangelium zu predigen und den Seelen das himmlische Brot zu reichen; sie urteilten daher richtig, dass sie sich von dieser heiligen Pflicht nicht abhalten lassen durften durch den Dienst an den Armen, so schön diese Tugend auch ist.

(Franz von Sales)

01. März – Ganz Dein…

Trotzdem gibt es Tugenden, die man fast immer nötig hat, weil sie nicht nur ihrer eigenen Werke wegen geübt werden, sondern eigentlich jede andere Tugendhandlung begleiten sollen. – Man hat nicht oft Gelegenheit, die Tugenden der Stärke, der Großmut, der Freigebigkeit zu üben; aber die Sanftmut, das Maßhalten, die Redlichkeit, die Demut sollen allen Handlungen unseres Lebens ihr Gepräge geben. Es gibt wohl erhabenere, aber keine notwendigeren Tugenden als diese. Zucker schmeckt besser als Salz, aber Salz braucht man öfter. Deshalb sollen wir auch diese Tugenden immer in Bereitschaft haben, da wir sie praktisch immer brauchen.

(Franz von Sales)

 

28. Februar – Ganz Dein…

Musik, im allgemeinen angenehm, ist unangebracht zur Zeit der Trauer, sagt das Sprichwort (JSir 22,6). In ihrem Streben, eine bestimmte Tugend zu üben, begehen manche den großen Fehler, daß sie sich darauf versteifen, bei jeder Gelegenheit Akte dieser Tugend zu setzen. Wie die bekannten Philosophen des Altertums wollen sie entweder immer weinen oder immer lachen; ja sie tadeln und bekritteln auch noch jene, die nicht ständig mit ihren Lieblingstugenden beschäftigt sind wie sie. Man soll sich aber nach den Worten des Apostels freuen mit den Fröhlichen und weinen mit den Weinenden” (Röm 12,15). Die Liebe ist geduldig, gütig” (1.Kor 13,4), weitherzig, klug, nachgiebig.

(Franz von Sales)

27. Februar – Ganz Dein…

Geordnetes Tugendstreben

Die Bienenkönigin fliegt nicht aus, ohne von ihrem kleinen Volk umgeben zu sein; so zieht die Liebe nicht in ein Herz ein, ohne in ihrem Gefolge die anderen Tugenden zu haben, denen sie Befehle erteilt, die sie den Erfordernissen entsprechend einsetzt, wie ein Hauptmann seine Soldaten, jedoch nicht alle gleichzeitig und in gleicher Weise, nicht immer und überall. Der Gerechte ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserläufen, der Frucht trägt zu seiner Zeit” (Ps 1,3); denn wenn die Liebe eine Seele durchdringt, bringt sie in ihr die Tugendwerke hervor, jedes zu seiner Zeit.

(Franz von Sales)

 

26. Februar – Ganz Dein…

Reichtum, Vergnügen, Größe, was zählt das alles, wenn einst der Leib in die Erde sinkt, und die Seele in die Ewigkeit eintritt? Denke schon heute daran, von diesem Augenblick an, morgen könnte es zu spät sein. Wirke solange es Tag ist; beeile dich, unvergängliche Schätze zu sammeln. Denn „es kommt die Nacht, wo niemand mehr wirken kann“. Nicht unfruchtbare Wünsche können dich retten; Werke will Gott sehen. So folge denn Jesus nach, willst du ewig mit Jesus leben.

(Thomas von Kempen)

25. Februar – Ganz Dein…

Unsere einzige Sorge hienieden hat unserm Seelenheil zu gelten, das nur in Christus und durch Christus erreichbar ist. Seinem Wort Glauben schenken, seine Gebote halten, seine Tugenden nachahmen: das macht das Leben aus, außer dem es keines gibt. Alles übrige ist Eitelkeit. „Und ich sah“, spricht der Weise, „dass der Mensch nichts weiter gewinnt mit seinem Schaffen, mit dem er sich unter der Sonne abmüht.“

Fortsetzung folgt….

(Thomas von Kempen)

23. Februar – Ganz Dein…

Eitel ist es, vergänglichem Reichtum nachzujagen und darauf seine Hoffnung zu setzen.

Ebenfalls eitel, Ehrenämter anzustreben und eine hohe Stellung zu suchen.

Eitel, den fleischlichen Gelüsten zu frönen und das zu verlangen, was nachher schwer bestraft wird.

Eitel, ein langes Leben zu wünschen, sich jedoch wenig um ein gutes Leben zu kümmern.

Eitel, nur das zeitliche Dasein im Auge zu halten, ohne sich für das ewige vorzusehen.

Eitel, sich an das zu hängen, was so bald vergeht, ohne den unvergänglichen Freuden entgegenzueilen.

(Thomas von Kempen)