Die selige Jungfrau Maria möge vom Paradies aus für alle unsere lieben Verstorbenen Fürbitte einlegen und in uns, den Pilgern auf der Erde, den Glauben an die endgültige Auferstehung stärken, deren Unterpfand uns im Sakrament der Eucharistie geschenkt wird.
Dieses im Paschamysterium Christi besiegelte Bündnis wird beständig im Sakrament der Eucharistie vergegenwärtigt. Deshalb findet hier auch das Gebet für die Verstorbenen seinen Höhepunkt. Indem sie die Messe für sie darbringen, unterstützen die Gläubigen deren letzte Läuterung. Durch den gläubigen Empfang der heiligen Kommunion stärken sie die Bande der geistlichen Liebe zu ihnen.
In der Volksfrömmigkeit ist der Monat November dem Gedenken der Verstorbenen gewidmet. Wir beten vertrauensvoll für sie, da wir wissen – wie Jesus im heutigen Evangelium bekräftigt –, dass Gott »kein Gott von Toten ist, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig« (Lk 20,38). Er bleibt dem Bund treu, den er mit dem Menschen geschlossen hat, einem Bund, den auch der Tod nicht lösen kann.
Maria, die Pforte des Himmels, helfe uns, die himmlische Heimat, das letzte Ziel unserer Pilgerreise hier auf Erden, nicht zu vergessen und niemals aus den Augen zu verlieren.
Es ist wichtig und geboten, für die Verstorbenen zu beten, denn auch selbst die, die in der Gnade und Freundschaft Gottes gestorben sind, bedürfen vielleicht doch noch einer letzten Läuterung, um in die Freude des Himmels einzugehen (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1030). Das Gedenken an sie kann auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck gebracht werden, unter anderem durch den Friedhofsbesuch. Das Verweilen an diesen geheiligten Orten stellt eine gute Gelegenheit dar, um über den Sinn des irdischen Lebens nachzudenken und zugleich die Hoffnung auf die ewige Seligkeit im Paradies lebendig zu halten.
1. Nachdem wir gestern das Hochfest Allerheiligen gefeiert haben, richten wir heute, am 2. November, unseren Blick im Gebet auf all jene, die diese Welt verlassen haben und darauf warten, die himmlische Stadt zu erreichen. Die Kirche hat seit jeher zum Gebet für die Verstorbenen aufgerufen. Sie lädt die Gläubigen ein, das Geheimnis des Todes nicht als das letzte Wort über das Menschenschicksal anzusehen, sondern als einen Übergang zum ewigen Leben. »Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt« – so heißt es in der heutigen Präfation –, »ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet.«
Wenden wir uns nun an die allerseligste Jungfrau Maria und bitten wir sie, in besonderer Weise unsere Fürbitte für die Verstorbenen zu unterstützen. In diesem »Jahr des Rosenkranzes« sollten wir in die Schule der Jungfrau gehen, um mit ihr das Geheimnis des gestorbenen und auferstandenen Christus, der Hoffnung auf ewiges Leben für jeden Menschen, zu betrachten.
In diesem Zusammenhang möchte ich einen Text des hl. Karl Borromäus zitieren, dessen liturgischen Gedenktag wir morgen feiern. »Meine Seele« – so schrieb er – »soll nie aufhören, den Herrn zu loben, denn er hört nie auf, seine Gaben zu spenden. Es ist ein Geschenk Gottes, wenn du, der du Sünder warst, zur Gerechtigkeit berufen wirst; es ist ein Geschenk Gottes, wenn du gestützt wirst, damit du nicht fällst; es ist ein Geschenk Gottes, dass dir die Kraft gegeben wird, bis zuletzt durchzuhalten; auch die Auferstehung deines toten Leibes wird ein Geschenk Gottes sein, damit kein einziges Haar auf deinem Kopf verloren geht; die Verherrlichung nach der Auferstehung wird ein Geschenk Gottes sein, und schließlich wird auch die Möglichkeit, ihn in der Ewigkeit unablässig loben zu können, ein Geschenk Gottes sein« (Predigt, 5. September 1583).
Das christliche Gebet für die Toten, das den gesamten Monat November kennzeichnet, kann nur im Licht der Auferstehung Christi vollzogen werden. Der Apostel Paulus sagt nämlich: »Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos […] Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen« (1 Kor 15, 17. 19–20).
Die Welt von heute hat es mehr denn je nötig, den Sinn des Lebens und Sterbens in der Perspektive des ewigen Lebens wiederzuentdecken. Außerhalb dieser Sichtweise verwandelt sich die moderne Kultur, die eigentlich zur Erhöhung des Menschen und seiner Würde entstanden ist, paradoxerweise in eine Kultur des Todes, denn wenn sie den Horizont Gottes verliert, wird sie gleichsam zu einer Gefangenen der Welt; sie wird von Angst erfüllt und entwickelt bedauerlicherweise vielfältige persönliche und gemeinschaftliche Pathologien.
Gestern haben wir den jährlichen liturgischen Gedenktag für alle verstorbenen Gläubigen begangen. Aus der in aller Welt verbreiteten Kirche hat sich ein einstimmiges Gebet zum Gott des Lebens und des Friedens erhoben, dass er alle Seelen, vor allem die verlassensten und jene, die seiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen, in sein Reich des unendlichen Lichts aufnehme.