22. November


„Preist den Herrn mit der Zither, spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe! Singt ihm ein neues Lied!”1 Legt das Alte ab, ihr kennt das neue Lied: Zum neuen Menschen gehört der neue Bund, passt das neue Lied. Das neue Lied passt nicht zu dem alten Menschen, nur neue Menschen lernen es, die durch die Gnade aus alten zu neuen Menschen geworden sind und zum neuen Bund gehören, zum Reich des Himmels. Danach seufzt all unsere Liebe und singt das neue Lied. Sie singt das neue Lied, aber sie singe es nicht mit der Zunge, sondern mit dem Leben.“

(Auszug aus der Lesung der Lesehore am Gedenktag der hl. Cäcilia)

21. November

Der Apostel sagt: „Mir ist die Welt gekreuzigt und ich der Welt.“ Es gibt in diesem Leben den Tod, den guten Tod. Damit wir uns dessen bewusst werden, ermahnt er uns, das Todesleiden Jesu an unserm leib zu tragen; denn wer das Todesleiden Jesu an sich trägt, an dessen Leben wird auch das Leben Jesu sichtbar. Der Tod wirke also in uns, damit auch das Leben wirke. Das gute Leben nach dem Tod ist das gute Leben nach dem Sieg, das gute Leben nach dem Ende des Kampfes, wo das Gesetz des Fleisches dem Gesetz des Geistes nicht mehr widerstehen kann, wo wir keinen Kampf mehr mit dem Todesleib haben, sondern im Todesleib der Sieg herrscht.

(Auszug aus der Lesung der Lesehore)

20. November

Herr, neige dein Ohr und vernimm das Morgengebet deiner Gläubigen. Erhelle und heile, was in der Tiefe unseres Herzens krank ist, damit kein Begehren uns in seinem Bann gefangenhält, die wir erleuchtet wurden durch das Licht der himmlischen Gnade. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

(Oration der Laudes)

19. November

Schon früh begann Elisabeth in der Tugend zu erstarken. Wie sie in ihrem ganzen Leben eine Trösterin der Armen war, so wurde sie ganz und gar eine Wohltäterin der Hungernden, als sie bei einer ihrer Burgen ein Spital errichten ließ, in dem sie viele Kranken und Schwache aufnahm. An alle, die sie um ein Almosen baten, teilte sie dort in reichem Maß Liebesgaben aus und das nicht nur dort, sondern auf dem ganzen Gebiet des Landgrafen. Die gesamten Einkünfte, die sie aus vier Herrschaften ihres Gemahls bezog, gab sie so restlos aus, dass sie zuletzt ihren ganzen persönlichen Aufwand und ihre kostbaren Kleider für die Armen verkaufen ließ.

(Auszug der Lesung der Lesehore am Gedenktag der hl. Elisabeth von Thüringen)

17. November


Meine Seele preise dich, Herr und Gott. Mein Schöpfer, meine Seele preise dich, und aus meinem innersten Kern sollen dich bekennen deine Hulderweise, mit denen deine unfassbare Güte mich umgeben hat. Wie und wo immer ich kann, sage ich deiner unermesslichen Barmherzigkeit Dank, Ich lobe und verherrliche deine Langmut und deine Geduld. Du hast darüber hinweggesehen, dass ich meine Jahre als Kind und junges Mädchen, als heranwachsende junge Frau fast bis zum Ende meines fünfundzwanzigsten Lebensjahres in blinder Torheit durchlief und, wie es mir jetzt scheint, ohne Gewissensbisse in Gedanken, Worten und Werken alles tat, was mir passte und was mir möglich war. Du tratest nicht dazwischen, nicht durch den natürlichen Abscheu vor dem Bösen oder die Liebe zum Guten, die angeboren sind, noch durch Mahnungen der Mitmenschen von außen. So lebte ich, als wäre ich eine Heidin unter Heiden und hätte nie erkannt, dass du, mein Gott, das Gute belohnst und das Böse bestrafst.

(Auszug aus der Lesung der Lesehore am Gedenktag der hl. Gertrud von Helfta)

15. November

„Tut dies zu meinem Gedächtnis!“1 An diesem Satz ist zweierlei zu beachten: Das eine ist der Auftrag, dieses Sakrament zu vollziehen, was mit den Worten gemeint ist: Tut dies!“ Das andere ist, dass das Sakrament ein Gedächtnis des Herrn ist, der für uns in den Tod geht.
Er sagt: „Tut dies!“ Kein Auftrag ist nützlicher, liebevoller und heilsamer, keiner liebenswerter; kein Auftrag kommt dem ewigen Leben so nahe. Das soll nun im einzelnen gezeigt werden.

(Auszug der Lesung der Lesehore am Gedenktag des hl. Albert)