Wenn wir die Lage der Welt betrachten, scheint auf den ersten Blick das Dunkle zu überwiegen: Krieg, Gewalt, Unterdrückung, Ungerechtigkeit und moralischer Verfall.
Doch in dieses Dunkel strahlt das Licht. Die ‘Kunst Gottes’ besteht darin, daß er einen Plan mit uns Menschen hat: den Plan des Friedens und der Liebe, der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Damit dieser Plan Wirklichkeit wird in der Architektur der Welt, ist der Mensch zur Umkehr gerufen. Es geht um eine Richtungsänderung, damit dem Plan Gottes der Weg geebnet wird.
Auf diesem Weg sind wir zuerst aufgerufen, die Angst vor der Zukunft zu verlieren. Oft peinigt diese Angst die jungen Generationen, und sie reagieren mit Gleichgültigkeit, mit Abstandnehmen gegenüber Verpflichtungen im Leben, mit Drogeneinnahme, die sie verrohen läßt, mit Gewalt und Apathie. Außerdem sollte Freude herrschen über jedes Kind, das zur Welt kommt (vgl. Joh 16,21), damit es in Liebe aufgenommen und ihm die Möglichkeit gegeben werde, in Körper und Geist zu wachsen. Auf diese Weise arbeitet man am Werk Christi selbst mit, der seine Sendung folgendermaßen beschrieb: »Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben« (Joh 10,10).
Die Liebe zur Menschheit, für ihr materielles und spirituelles Wohlergehen und für einen wahren Fortschritt, muß alle Gläubigen beseelen. Alles Handeln zur Schaffung einer besseren Zukunft, einer wohnlicheren Erde und einer brüderlicheren Gesellschaft hat – wenn auch indirekt – am Aufbau des Reiches Gottes Anteil. In der Perspektive dieses Reiches stellt »der Mensch, der lebendige Mensch […] den ersten und grundlegenden Weg der Kirche dar« (Evangelium vitae, 2; vgl. Redemptor hominis, 14). Es ist der Weg, den Christus selbst gegangen ist, wobei er sich zugleich zum »Weg« des Menschen machte (vgl. Joh 14,6).
Mit dem Glauben legt der Heilige Geist auch den Samen der Hoffnung in das Menschenherz. Der Glaube ist nämlich, wie der Hebräerbrief sagt, »Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht« (11,1). Vor einem Horizont, der oft von Mutlosigkeit, Pessimismus, Entscheidungen für den Tod, Trägheit und Oberflächlichkeit geprägt ist, muß sich der Christ der aus dem Glauben hervorgehenden Hoffnung öffnen.
Dies ist dargestellt in der Szene aus dem Evangelium, als der Wirbelsturm über dem See losbricht: »Meister, Meister, wir gehen zugrunde!«, rufen die Jünger. Da fragt Christus sie: »Wo ist euer Glaube?« (Lk 8,24 –25). Mit dem Glauben an Christus und an das Reich Gottes ist man nie verloren, und die Hoffnung auf innere Ruhe erscheint erneut am Horizont. Auch für eine menschenwürdige Zukunft ist es nötig, den aktiven Glauben, der Hoffnung hervorbringt, erneut zum Blühen zu bringen. Darüber hat ein französischer Dichter folgendes geschrieben: Die Hoffnung ist das gespannte Warten auf den guten Sämann, sie ist die Sehnsucht des Menschen, der sich für die Ewigkeit bewirbt. Die Hoffnung ist Unendlichkeit der Liebe (vgl. Charles Péguy, Das Tor zum Geheimnis der Hoffnung).
Die Schriften der Bibel erzählen von der ursprünglichen Harmonie des Menschen mit seinen Artgenossen, mit der Schöpfung insgesamt und mit Gott. Dieser vom Schöpfer gewollte Zustand ging aber verloren durch das Eindringen der Sünde.
Gott hat den Menschen als Verwalter der Schöpfung und als deren Diener eingesetzt. Doch die Herrschaft über die Lebewesen ist nicht absolut. Der Mensch ist berufen, das Werk Gottes weiterzuführen, damit das Leben in Frieden und Gerechtigkeit gedeihen kann.
An diesem Sonntag feiern wir das Fest der Taufe des Herrn. Die Textstelle aus dem Evangelium, die uns die Liturgie zum Nachdenken vorlegt, spricht von Jesus, der im Gewirr der Menge in den Jordanfluß herabsteigt, um von Johannes getauft zu werden. Als er aus dem Wasser kommt, öffnet sich der Himmel, der Geist Gottes erscheint in der Gestalt einer Taube, und aus der Höhe ertönt eine Stimme: »Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe« (Mt 3,17).
In dieser Szene gibt sich in gewisser Weise Gott selbst in seinem trinitarischen Geheimnis zu erkennen: der Vater, Ursprung und Quelle des Lebens und der Heiligkeit; der Sohn, in die Welt gekommen, um sie von Sünde und Tod zu befreien; der Heilige Geist, der mit seiner Kraft das Erlösungswerk trägt.
(Papst Johannes Paul II. am 10. Januar 1999 Taufe des Herrn)
„Man muss den Mut haben, in eine Richtung zu gehen, in die bisher noch niemand gegangen ist. Ohne diesen Mut können Völker und Systeme in diesen Zeiten weder einander näher kommen, noch kann man den Frieden herstellen.“
Lasst euch nicht täuschen. Fallt nicht herein auf die Propheten des Egoismus, der falsch verstandenen Selbstverwirklichung, der irdischen Heilslehren, die diese Welt ohne Gott gestalten wollen.
Die Menschheit braucht Christus: Sie braucht sein Wort des Heils, seine trostbringende Gegenwart und seine Liebe, die alles erneuert. Die Welt erwartet von den Christen ein unerschrockenes und treues Zeugnis.
Wir wollen beten, dass in jedem Gläubigen das missionarische Bewußtsein zunehme und die Zahl derer wachse, die in jedem Winkel der Erde ihre Kräfte in den Einsatz für die Sache des Evangeliums stellen.
Christus ist das Licht der Welt, das jeden Menschen und alle Völker erleuchtet: Das ist die Botschaft des heutigen Hochfestes, eine Botschaft, die in erster Linie den Bischöfen anvertraut ist. Für sie gilt über alle Generationen hinweg der Auftrag, den der auferstandene Christus den Aposteln hinterließ: »Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes« (Mt 28,19).
2. Dieser missionarische Auftrag ist für alle Jünger Christi. Während die internationale Gemeinschaft sich anschickt, die Schwelle des dritten Jahrtausends zu überschreiten, und mit Sorge auf die Schatten blickt, die noch über ihrem Weg liegen, »ist es der dringende Wunsch« der Kirche, dass das Licht Christi alle Menschen erleuchte; sie vermehrt daher ihren Einsatz, um das Evangelium allen Geschöpfen zu verkünden (vgl. Lumen gentium, 1).
Darum bitten wir auf die Fürsprache der heiligsten Maria, Mutter der Kirche und Königin der Apostel. Sie, die den Sterndeutern in Betlehem das Jesuskind gezeigt hat, helfe uns, dass wir den Menschen unserer Zeit die Gute Nachricht von der barmherzigen Liebe Gottes verkünden und Zeugnis dafür ablegen.