26. März

»Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast«. Die Antwort Marias an den Engel dauert in der Kirche fort; diese ist berufen, Christus in der Geschichte durch ihre Bereitschaft zu vergegenwärtigen, damit Gott auch weiterhin die Menschheit mit seiner Barmherzigkeit besuchen kann. Das »Ja« Jesu und Marias wiederholt sich also im »Ja« der Heiligen und besonders der Märtyrer, die um des Evangeliums willen getötet werden.

In dieser Fastenzeit schauen wir noch öfter auf die Muttergottes, die das in Nazaret gesprochene »Ja« auf dem Kalvarienberg besiegelt. Vereint mit Jesus, dem Zeugen der Liebe des Vaters, hat Maria das Martyrium der Seele erlebt. Wir wollen vertrauensvoll um ihre Fürsprache bitten, damit die Kirche in Treue zu ihrer Sendung vor der ganzen Welt mutig für die Liebe Gottes Zeugnis gebe.

(Papst Benedikt XVI. beim Angelus am 25.03.2007)

25. März

Die Verkündigung, die am Anfang des Lukasevangeliums erzählt wird, ist ein bescheidenes, verborgenes Ereignis – niemand sah es und niemand wusste davon außer Maria –, gleichzeitig aber ist es für die Geschichte der Menschheit entscheidend. Als die Jungfrau ihr »Ja« zur Verkündigung des Engels sagte, wurde Jesus empfangen, und mit Ihm begann das neue Zeitalter der Geschichte, das im Ostergeschehen als »neuer und ewiger Bund« besiegelt werden sollte.

In Wirklichkeit ist das Jawort Marias der vollkommene Widerschein des Jaworts Christi selbst, als er in die Welt kam, wie im Hebräerbrief als Deutung zum Psalm 40 geschrieben steht: »Ja, ich komme – so steht es über mich in der Schriftrolle –, um deinen Willen, Gott, zu tun« (10,7). Der Gehorsam des Sohnes spiegelt sich im Gehorsam der Mutter wider, und auf diese Weise, durch das Aufeinandertreffen der beiden Jaworte, konnte Gott ein menschliches Antlitz annehmen. So ist die Verkündigung auch ein christologisches Fest, weil es ein zentrales Mysterium Christi feiert: seine Menschwerdung.

Fortsetzung folgt …

(Papst Benedikt XVI. beim Angelus am 25.03.2007)

24. März

Angesichts gewisser Unglücksfälle – so mahnt Er – nützt es nichts, die Schuld auf die Opfer abzuwälzen. Wahre Weisheit liegt vielmehr darin, sich von der Unsicherheit des Daseins in Frage stellen zu lassen und eine Haltung der Verantwortlichkeit anzunehmen: Buße zu tun und uns im Leben zu bessern. Das ist Weisheit, das ist die wirksamste Antwort auf das Böse, auf jeder Ebene: auf der zwischenmenschlichen, sozialen und internationalen.

Christus ermahnt, auf das Böse in erster Linie mit einer ernsthaften Gewissenserforschung und mit der Verpflichtung zu antworten, das eigene Leben zu läutern. Anderenfalls – sagt er – werden wir umkommen, werden wir alle auf dieselbe Weise umkommen. Das einzige letzte Schicksal der Menschen und Gesellschaften, die ein Leben führen, ohne sich je in Frage zu stellen, ist in der Tat der Untergang. Die Umkehr hingegen bewahrt zwar nicht vor Problemen und Unglücksfällen, sie erlaubt es jedoch, ihnen »anders« entgegenzutreten. Vor allem hilft sie dabei, dem Bösen vorzubeugen, indem sie bestimmte von ihm ausgehende Bedrohungen entschärft. Und in jedem Fall erlaubt sie es, das Böse mit dem Guten zu besiegen, wenn auch nicht immer auf der Ebene der Tatsachen – die zuweilen nicht von unserem Willen abhängen –, so doch sicherlich auf der geistlichen Ebene. Kurz gesagt: Die Umkehr besiegt das Böse von der Wurzel her, die die Sünde ist, selbst wenn sie nicht immer seine Folgen vermeiden kann.

(Papst Benedikt XVI. beim Angelus am 11.03.2007)

23. März

Der Abschnitt aus dem Lukasevangelium, der an diesem dritten Fastensonntag verkündet wird, gibt die Anmerkung Jesu zu zwei Ereignissen aus dem Tagesgeschehen wieder. Das erste war der Aufstand einiger Galiläer, den Pilatus blutig niederschlagen ließ, das zweite der Einsturz eines Turmes in Jerusalem, der 18 Todesopfer gefordert hatte. Zwei sehr unterschiedliche tragische Begebenheiten: Die eine wurde vom Menschen verursacht, die andere geschah zufällig. Gemäß der Mentalität jener Zeit neigten die Menschen zu der Annahme, dass das Unglück auf die Opfer wegen ihrer eigenen schweren Schuld hereingebrochen sei.

Jesus hingegen sagt: »Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren? […] Oder jene achtzehn Menschen, […] meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht?« (Lk 13,2.4). In beiden Fällen kommt er zu dem Schluss: »Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt« (Lk 13,3.5).

Das ist also der Punkt, zu dem Jesus seine Zuhörer führen möchte: die Notwendigkeit der Umkehr. Er stellt sie nicht in moralistischer, sondern in realistischer Weise dar, nämlich als einzig angemessene Antwort auf Geschehnisse, die die menschlichen Sicherheiten in eine Krise stürzen.

Fortsetzung folgt…

(Papst Benedikt XVI. beim Angelus am 11.03.2007)

22. März

Bei diesem Angelusgebet gedenken wir des uneingeschränkten »Ja« Mariens zum Willen Gottes. Durch den Glaubensgehorsam der Jungfrau ist der Sohn in die Welt gekommen, um uns Vergebung, Heil und Leben in Fülle zu bringen. Indem er Mensch wie wir geworden ist, ausgenommen die Sünde, hat uns Christus die Würde und den Wert eines jeden Gliedes der Menschheitsfamilie gelehrt. Er ist für unsere Sünden gestorben, um uns in der Familie Gottes zu sammeln.

(Papst Benedikt XVI.beim Angelus am 22.03.2009)

21. März

An Gott glauben heißt, die eigenen Vorurteile abzulegen und das konkrete Antlitz anzunehmen, in dem er sich offenbart hat: den Menschen Jesus von Nazareth. Und dieser Weg führt auch dazu, ihn in den anderen zu erkennen und ihm zu dienen.

(Papst Benedikt XVI.)

20. März

Fortsetzung…

Das Vorbild des hl. Josef ist für uns alle ein eindringlicher Aufruf, die Aufgabe, die uns von der Vorsehung anvertraut wurde, in Treue, Einfachheit und Bescheidenheit zu erfüllen. Ich denke vor allem an die Familienväter und -mütter, und ich bete dafür, dass sie die Schönheit eines einfachen, arbeitsamen Lebens stets zu schätzen wissen, indem sie ihre eheliche Beziehung sorgfältig pflegen und ihren großen und nicht einfachen Erziehungsauftrag mit Begeisterung wahrnehmen.

Für die Priester, die die Vaterschaft gegenüber den kirchlichen Gemeinschaften ausüben, erwirke der hl. Josef, dass sie die Kirche mit Zuneigung und voller Hingabe lieben, und er unterstütze die geweihten Menschen in ihrer freudigen und treuen Befolgung der evangelischen Räte der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams. Er beschütze die Arbeiter der ganzen Welt, damit sie durch ihre unterschiedlichen Berufe zum Fortschritt der gesamten Menschheit beitragen, und helfe jedem Christen, den Willen Gottes vertrauens- und liebevoll zu erfüllen, um auf diese Weise an der Vollendung des Heilswerks mitzuarbeiten.

(Papst Benedikt XVI. beim Angelus am 19.03.2006)

19. März

Die Gestalt dieses großen Heiligen ist, auch wenn sie eher verborgen blieb, in der Heilsgeschichte von grundlegender Bedeutung. Vor allem verband der hl. Josef dadurch, dass er dem Stamm Juda angehörte, Jesus mit der Nachkommenschaft Davids, so dass sich die Verheißungen über den Messias verwirklichten und der Sohn der Jungfrau Maria sich tatsächlich »Sohn Davids« nennen kann.

Vor allem das Matthäusevangelium betont die messianischen Prophezeiungen, die durch Josefs Rolle ihre Erfüllung fanden: die Geburt Jesu in Betlehem (2,1–6); sein Aufenthalt in Ägypten, wohin die Heilige Familie geflohen war (2,13–15); der Beiname »Nazoräer« (2,22–23). In all dem erwies er sich genau wie seine Braut Maria als wahrer Erbe des Glaubens Abrahams: Glauben an den Gott, der die Ereignisse der Geschichte nach seinem geheimnisvollen Heilsplan leitet. Josefs Größe tritt wie die Marias noch deutlicher hervor, weil seine Sendung in der Demut und in der Verborgenheit des Hauses in Nazaret geschah. Im übrigen hat ja Gott selbst, in der Person seines menschgewordenen Sohnes, diesen Weg und diesen Stil – die Demut und die Verborgenheit – für sein Dasein auf Erden gewählt.

Fortsetzung folgt …

(Papst Benedikt XVI. beim Angelus am 19.03.2006)

18. März

Obwohl die Jungfrau Maria unter allen menschlichen Geschöpfen Gott am nächsten stand, ist auch sie Tag für Tag den Pilgerweg des Glaubens gegangen (vgl. Lumen gentium, 58), indem sie das Wort, das Gott sowohl durch die Heilige Schrift als auch durch die Ereignisse im Leben ihres Sohnes an sie richtete,

und in denen sie die geheimnisvolle Stimme des Herrn erkannte und in sich aufnahm, stets in ihrem Herzen bewahrte und darüber nachdachte. Das ist also das Geschenk und die Verpflichtung für jeden von uns in der Fastenzeit: auf Christus hören, wie Maria. Auf ihn hören in seinem Wort, das in der Heiligen Schrift verwahrt ist. Auf ihn hören auch in den Ereignissen unseres Lebens und versuchen, darin die Botschaften der Vorsehung zu erkennen. Schließlich auch in den Brüdern und Schwestern auf ihn hören, vor allem in den Kleinen und in den Armen, in denen Jesus selbst konkret um unsere Liebe bittet. Auf Christus hören und seiner Stimme gehorchen: Das ist der Königsweg, der einzige, der zur Fülle der Freude und zur Liebe führt.

(Papst Benedikt XVI. beim Angelus am 12.03.2006)

17. März

Wenn einem die Gnade einer starken Gotteserfahrung geschenkt wird, dann ist es so, als würde man etwas Ähnliches wie die Jünger bei der Verklärung erleben: Einen Augenblick lang hat man einen Vorgeschmack auf das, was die Seligkeit des Paradieses sein wird. Normalerweise handelt es sich um kurze Erfahrungen, die Gott manchmal gewährt, vor allem im Hinblick auf harte Prüfungen.

Niemandem ist es jedoch gegeben, »auf dem Tabor« zu leben, solange man auf Erden weilt, denn das menschliche Dasein ist ein Weg des Glaubens und verläuft als solcher eher im Halbschatten als im vollen Licht, nicht ohne Zeiten der Dunkelheit und sogar vollkommener Finsternis. Solange wir auf Erden sind, wird unsere Beziehung zu Gott eher im Hören als im Schauen gelebt; und selbst die Betrachtung erfolgt sozusagen mit geschlossenen Augen durch das innere Licht, das das Wort Gottes in uns entzündet.

(Papst Benedikt beim Angelus am 12.03.2006)