19. April – Ganz Dein…

Unser geliebter Heiland litt an allen Gliedern seines Leibes; sein Haupt wurde mit Dornen gekrönt, Haar und Bart ihm ausgerissen, seine Wangen geschlagen, sein Angesicht bespien, Nacken und Arme mit Stricken gefesselt, Schultern und Rücken gebeugt unter der Last des Kreuzes. Hände und Füße von Nägeln durchbohrt, sein Herz von einer Lanze geöffnet und sein ganzer Leib von Geißelhieben zerrissen.

Seine heilige Seele wurde gemartert von den Sünden aller Menschen; er musste sie erkennen als Beleidigungen seines geliebten Vaters und als Quelle des Verderbens für viele, die trotz seines bitteren Leidens der Verdammnis anheimfallen würden.

Aus all dem müssen wir mit den Kirchenvätern und dem heiligen Thomas schließen, dass unser guter Jesus mehr gelitten hat als alle Märtyrer zusammen, einschließlich jener, die bis zum Ende der Zeiten noch kommen werden.

(Ludwig Maria Grignion von Montfort)

Karsamstag

18. April – Ganz Dein…

Viele Gründe bestehen für uns, Jesus Christus, die menschgewordene Weisheit, zu lieben; aber der stärkste Beweggrund liegt nach meiner Meinung in den Leiden, die er für uns erduldet hat, um uns seine Liebe zu beweisen.

Christi Leiden bezog sich zunächst auf zeitliche Güter. Abgesehen von der Armut, die bei seiner Geburt, seiner Flucht nch Ägypten und das ganze Leben lang sein Los war, wurden ihm bei seinem bitteren Leiden sogar noch seine Kleider genommen.

Er litt sodann an seiner Ehre und seinem Ruf; denn er wurde mit Schmähungen überhäuft. Man hieß ihn einen Gotteslästerer, Aufwiegler und Besessenen.

Er litt in seiner Weisheit; denn er wurde als Nichtswisser und als Schwindler angesehen und wie ein Narr behandelt.

Er litt in seiner Macht; denn man hielt ihn für einen Zauberer und Magier, der durch einen Bund mit dem Teufel falsche Wunder wirke.

Einer von seinen Jüngern verkaufte und verriet ihn, der erste unter ihnen verleugnete ihn, die anderen verließen ihn.

Fortsetzung folgt…

(Ludwig Maria Grignion von Montfort)

 

17. April – Ganz Dein…

Fortsetzung…

Beachte auch das Beispiel des hl. Ambrosius, von dem der hl. Augustinus erzählt, dass er oft in sein Zimmer trat (denn man verweigerte niemand den Zutritt), ihn beim Lesen traf, und nachdem er einige Zeit gewartet hatte, wieder fortging, ohne etwas gesprochen zu haben, um ihn nicht zu stören. Er habe eben gedacht, dass man diesem großen Seelenhirten nichts von der wenigen Zeit wegnehmen dürfe, die ihm inmitten seiner schweren Sorgen und Arbeiten übrig blieb, um seinen Geist zu stärken und zu erholen. Aus dem gleichen Grund hat ja auch der Herr seinen Aposteln, als sie ihm von ihrer Predigt und der vielen Arbeit berichtet hatten, gesagt: „Kommt in die Einsamkeit und erholt euch dort ein wenig“ (Mt 6,31)

 

(Franz von Sales)

16. April – Ganz Dein…

Fortsetzung…

Du sollst aber nicht nur stets die geistige Einsamkeit pflegen, in die du dich in der lebhaftesten Unterhaltung jederzeit zurückziehen kannst, wie ich dir bereits früher geraten habe, sondern du sollst auch das tatsächliche Allleinsein wirklich lieben, zwar nicht, um in die Wüste zu fliehen wie Maria von Ägypten, Paulus, Antonius, Arsenius und die anderen heiligen Einsiedler, wohl aber um ein wenig für dich zu sein: in deinem Zimmer, im Garten oder sonst wo, wo du leichter Einkehr halten und deine Seele durch gute und heilige Gedanken, durch gute Lektüre neu beleben und stärken kannst. So erzählte der große Bischof von Nazianz von sich: „Bei Sonnenuntergang pflegte ich immer für mich allein am Meeresstrand auf- und abzuwandeln, um in dieser Erholung die Sorgen des Tages abzuschütteln und mich auszuruhen“, worauf er den guten Gedanken, der ihm bei dieser Gelegenheit gekommen war, weiter ausführte.

 

Fortsetzung folgt…

 

(Franz von Sales)

15. April – Ganz Dein…

Fortsetzung…

Im Allgemeinen soll bei unseren Gesprächen eine maßvolle Fröhlichkeit vorherrschen. Das rühmte man so sehr an den Heiligen Romuald und Antonius, dass sie trotz ihres strengen Lebens stets froh in Miene und Wort waren, heiter und liebenswürdig. „Freut euch mit denen, die sich freuen“ (Röm 12,15). Und noch einmal sage ich euch mit dem Apostel:

„Freut euch allezeit im Herrn und eure Bescheidenheit sei allen Menschen kund“ (Phil 4,4f). Damit aber deine Freude „im Herrn“ sei, muss der Gegenstand deiner Freude nicht nur erlaubt, sondern auch anständig sein. Es gibt nämlich Dinge, die an sich nicht verboten, trotzdem aber nicht anständig sind. Damit deine Bescheidenheit offenkundig werde, hüte dich vor jeder Anmaßung, die immer tadelnswert ist. Jemand zu Fall zu bringen, ihm das Gesicht zu schwärzen, einen anderen zu stechen, einem armen Narren wehtun, das sind dumme und ungezogene Scherze.

 

Fortsetzung folgt…

 

(Franz von Sales)

14. April – Ganz Dein…

Fortsetzung…

In jeder Gesellschaft sind schlichte Einfachheit und bescheidene Liebenswürdigkeit stets beliebt. Es gibt Leute, die in jeder Haltung und bei jeder Bewegung gekünstelt sind; kein Mensch mag sie leiden. Wer nicht gehen wollte, ohne seine Schritte zu zählen, nicht reden, ohne zu singen, der müsste allen lästig fallen. So wirken auch jene, deren Gehaben stets geziert und abgezirkelt ist, in einer Gesellschaft nur störend; das sind auch stets eingebildete Leute.

Fortsetzung folgt…

 

(Franz von Sales)

13. April – Ganz Dein…

Fortsetzung…

Schließlich sind noch die wertvollen Geselligkeiten unter frommen und tugendhaften Leuten zu erwähnen. Ein solches Beisammensein wird dir immer von Nutzen sein. Die zwischen Olivenbäumen gepflanzte Rebe trägt saftige Trauben mit Olivengeschmack; ein Mensch, der häufig mit tugendhaften Leuten umgeht, wird nicht unbeeinflusst von deren Eigenschaften bleiben. Die Drohnen können allein keinen Honig erzeugen, sie helfen aber den Bienen dabei; so ist auch uns der Umgang mit frommen Menschen eine große Hilfe im Streben nach eigener Frömmigkeit.

 

Fortsetzung folgt…

 

(Franz von Sales)

12. April – Ganz Dein…

Fortsetzung…

Andere Geselligkeiten werden aus Höflichkeit gepflegt, so gegenseitige Besuche und bestimmte Veranstaltungen, durch die man Mitmenschen ehren will. Solche Besuche soll man weder durch ein Zuviel übertreiben, noch durch unhöfliches Zuwenig verachten, sondern bescheiden seinen Verpflichtungen nachkommen, um so weder ungeschlacht noch leichtfertig zu sein.

 

Fortsetzung folgt…

 

(Franz von Sales)