15. September

„Das Martyrium der Jungfrau wird uns in der Weissagung des Simeon und in der Geschichte des Leidens Christi ans Herz gelegt. Der Greis sagt von dem Kind Jesus: „Dieser ist als Zeichen aufgerichtet, dem widersprochen wird.“ Zu Maria aber sagt er: „Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen.“ 5

Deine Seele, heilige Mutter, durchdrang wahrhaft ein Schwert. Nur durch deine Seele hindurch durchbohrte es auch den Leib deines Sohnes. Nachdem Jesus, dein Jesus – der Jesus aller, aber im besonderen dein Jesus -, den Geist ausgehaucht hatte, schonte die grausame Lanze den Toten nicht, doch sie konnte ihm nicht mehr schaden und öffnete nur seine Seite. Seiner Seele konnte sie nichts mehr anhaben, aber deine Seele durchdrang sie. Seine Seele war nicht mehr da, aber deine Seele konnte von dort nicht losgerissen werden. Die Kraft des Schmerzes durchdrang deine Seele. Wir könnten dich mit Recht als Königin der Märtyrer preisen, da in deinem Herzen die Wirkung des Mit-Leidens stärker war als die des leiblichen Leidens.“

(Auszug der Lesung der Lesehore am Gedächtnistag der Schmerzen Mariens)

14. September

Heilig Kreuz, du Baum der Treue,
edler Baum, dem keiner gleich,
keiner so an Laub und Blüte,
keiner so an Früchten reich:
Süßes Holz, o süße Nägel,
welche süße Last an euch.

Beuge, hoher Baum, die Zweige,
werde weich an Stamm und Ast,
denn dein hartes Holz muss tragen
eine königliche Last,
gib den Gliedern deines Schöpfers
an dem Stamme linde Rast.

Du allein warst wert zu tragen
aller Sünden Lösegeld,
du, die Planke, die uns rettet
aus dem Schiffbruch dieser Welt.
Du, gesalbt vom Blut des Lammes,
Pfosten, der den Tod abhält.

Lob und Ruhm sei ohne Ende
Gott, dem höchsten Herrn, geweiht.
Preis dem Vater und dem Sohne
und dem Geist der Heiligkeit.
Einen Gott in drei Personen
lobe alle Welt und Zeit. Amen.

(Hymnus der Laudes am Fest Kreuzerhöhung)

13. September

„Viele Wogen und schwere Brandung, doch wir fürchten nicht, dass wir untergehen, denn wir stehen auf dem Felsen. Mag das Meer toben, es kann den Felsen nicht zerstören. Mögen sich die Wogen türmen, sie können das Schiff Jesu nicht verschlingen. Sag mir: Was sollten wir fürchten? Den Tod? „Für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn“1. Oder Verbannung? Sag mir: „Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt.“2. Einziehung des Vermögens? „Wir haben nichts in die Welt mitgebracht, und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen.“3 Die Schrecken der Welt verachte ich, und ihre Annehmlichkeiten verlache ich. Armut fürchte ich nicht, und Reichtum begehre ich nicht. Ich fürchte nicht zu sterben und wünsche nicht zu leben, es sei denn zu eurem Nutzen. Darum denke an die Gegenwart und mahne euch: Habt Zuversicht.“

(Auszug aus der Lesung der Lesehore am Gedenktag des hl. Johannes Chrysostomus)

12. September

„Der Name der Jungfrau“ sagt der Evangelist, „war Maria“1. Wir wollen ein wenig über diesen Namen sprechen. Er heißt übersetzt: Stern des Meeres und eignet sich sehr wohl für die Jungfrau-Mutter. Sehr zutreffend nämlich ist sie einem Stern vergleichbar. Wie der Stern ohne Einbuße seiner selbst einen Strahl aussendet, so hat sie als Jungfrau den Sohn geboren, ohne dass ihre Jungfräulichkeit gemindert wurde. Der Strahl mindert nicht des Sternes Helligkeit, so auch nicht der Sohn die Unversehrtheit der Jungfrau. Sie ist jener hehre Stern, aufgegangen aus Jakob, dessen Strahl die ganze Welt erleuchtet, dessen Glanz die Himmel überstrahlt, die Tiefen durchdringt und alle Lande erhellt. Er erwärmt mehr den Geist als den Körper, lässt die Tugenden reifen und verbrennt die Laster. Sie ist, sage ich, jener herrliche, auserlesene Stern, unendlich erhoben über das weite Meer, strahlend durch Verdienste, leuchtend als Vorbild.“

(Auszug aus der Lesung der Lesehore am Fest Mariä Namen)

10. September

„Unser Herr Jesus Christus wird kommen. Er wird, wie der Apostel Paulus sagt, „das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken. Dann wird jeder sein Lob von Gott erhalten.“1 Es wird, wenn dieser Tag kommt, kein Licht mehr nötig sein. Dann wird uns kein Prophetenwort mehr vorgelesen und kein Apostelbuch mehr aufgeschlagen werden. Wir werden nicht mehr nach dem Zeugnis eines Johannes fragen müssen und einmal mehr das Evangelium nötig haben. Weggeräumt wird also die ganze Heilige Schrift, die uns in der Nacht dieser Welt als Licht angezündet wurde, damit wir nicht im Finstern bleiben.“

(Auszug aus der Lesung der Lesehore)

08. September

„So singe und tanze also die ganze Schöpfung und trage etwas bei, was des Tages würdig ist. Der heutige Tag werde ein gemeinsames Fest für Himmel und Erde. Alles, was auf Erden ist und über der Erde, soll zusammen feiern. Heute wurde das Heiligtum für den Schöpfer des Alls errichtet. Die Schöpfung bereitete dem Schöpfer ein neues und würdiges Haus. “
(Auszug der Lesung der Lesehore am Fest Mariä Geburt)

07. September

Gepriesen sei Christus, der uns mit seinem kostbaren Blut erkauft hat. Zu ihm lasst uns beten:

R: Lamm Gottes, erbarme dich unser.

Als du am Kreuze hingst, floß Blut und Wasser aus deiner Seite;
– wasche uns rein von unseren Sünden.

Du hast den Neuen Bund in deinem Blut gestiftet;
– gib, dass wir dir die Treue halten.

Durch dein Kreuz hast du die ganze Welt erlöst;
– gib, dass wir in allen Dingen deine Spur erkennen.

Du hast uns den Anfang dieses Tages geschenkt;
– stärke uns auf dem Weg deiner Nachfolge.

(Bitten der Laudes)

06. September

„Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Bedeutet der gläubige Stolz auf unsere Berufung, dass wir überheblich sind? Keineswegs! Wer mit der Jüngerschaft Christi Ernst macht, erfährt täglich an sich, was Paulus sagt: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“1 Können wir die anderen, die „Gottlosen“ und „Schlechten“ verachten? Christliches Selbstbewusstsein, dass sich in pharisäischer Überheblichkeit und in der Verurteilung der „bösen Welt“ äußert, ist ein Zerrbild christlicher Berufung. Der Christ steht verstehend, in einer schlichten, redlichen Bezeugung seiner Erwählung mitten unter seinen unsicheren, ringenden, nicht glauben-könnenden Brüdern. Wichtig ist unsere Einstellung zur Kirche. Wir sehen ihre Grenzen und ihre Erneuerungsbedürftigkeit, gerade heute. Wir leiden darunter und arbeiten mit Leidenschaft an ihrer Erneuerung, aber wir stehen zu dieser Kirche, weil sie die Kirche des menschgewordenen, erniedrigten Herrn ist und zugleich von unserer Schwachheit gezeichnet ist. Die kleine Herde Christi kann nur dann bestehen, wenn sie all ihre inneren Schwierigkeiten brüderlich und zugleich redlich austrägt, wenn sie zusammenwächst und sich gegenseitig stützt.“

(Auszug aus der Lesung der Lesehore am Donnerstag der 22. Woche)