3. Advent

Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die dritte Kerze brennt.
Nun tragt eurer Güte leuchtenden Schein
weit in die dunkle Welt hinein

Freut euch, ihr Christen!
Freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr

13. Dezember

Nein, das hatte es noch nicht gegeben. Eine Kerze, die nicht brennen wollte, war absolut einmalig. Es herrschte große Aufregung unter den Kerzen im Wohnzimmer- zumal bald Weihnachten gefeiert werden sollte und die Kerzen mit ihrem festlichen Glanz die Dunkelheit verwandeln wollten.

Eine alte, erfahrene Kerze bot sich an, mit der kleinen zu reden.
„Nein, ich möchte nicht brennen“, antwortete die Kleine störrisch.
„wer brennt, verbrennt recht bald, und dann ist es um ihn geschehen. Ich möchte bleiben, wie ich bin – so schlank, schön und so elegant.“
„wenn du nicht brennst, bist du tot, noch bevor du gelebt hast“, antwortete die Alte gelassen.
„Dann bleibst du auf ewig Wachs und Docht, und Wachs und Docht sind Nichts. Nur wenn du dich entzünden lässt, wirst du, was du wirklich bist.“
„Na, da danke ich schön“, entgegnete die Kleine ängstlich. „Ich möchte mich nicht verlieren. Ich möchte lieber bleiben, was ich jetzt bin. Gut, es ist etwas langweilig und manchmal etwas verzehrend flackernde Flamme.“
„Man kann es eigentlich nicht mit Worten erklären, man muss es erfahren“, antwortete die Alte rätselhaft. „Nur wer sich hergibt, verwandelt die Welt, und indem er die Welt verwandelt, wird er auch mehr er selbst. Du darfst nicht über das Dunkel und die Kälte klagen, wenn du nicht bereit bist, dich anstecken zu lassen.
Da ging der kleinen Kerze plötzlich ein Licht auf.
„Du meinst, man ist das, was man von sich herschenkt?“
„Ja“, antwortete die Alte. „Man bleibt dabei nicht so schlank, so schön und so elegant. Man wird gebraucht und gerät auch etwas aus der Form. Aber man ist mächtiger als jede Nacht und alle Finsternis der Welt.“

So geschah es, dass die kleine Kerze ihren Widerstand aufgab und sich entzünden ließ.
Je mehr sie flackerte, umso mehr verwandeltet sie sich in reines Licht und leuchtete und strahlte, als gelte es die ganze Welt zu wärmen und alle Nächte hell zu machen. Wachs und Docht verzehrten sich, aber ihr Licht leuchtet bis auf den heutigen Tag in den Augen und Herzen all der Menschen, für die sie brannte.
(Q: Nicht bekannt)

11. Dezember

Nur für heute
Nur für heute werde ich mich bemühen,
den Tag zu erleben,
ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

Nur für heute werde ich die größte Sorge für mein Auftreten pflegen:
Ich werde niemanden kritisieren,
ja, ich werde nicht danach streben,
die anderen zu korrigieren
oder zu verbessern… nur mich selbst.

Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das
Glück geschaffen bin… nicht nur für die andere, sondern auch für diese Welt.

Nur für heute werde ich mich den Umständen anpassen, ohne zu verlangen,
dass sich die Umstände an mich und meine Wünsche anpassen.

Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen.
Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist,
so ist gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen,
und ich werde es niemanden erzählen.

Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe, es zu tun;
sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen,
dass niemand es merkt.

Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen.
Vielleicht halte ich mich nicht daran, aber ich werde es aufsetzen.
Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: vor Hetze und Unentschlossenheit.

Nur für heute werde ich fest glauben-
selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten-,
dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert,
als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

Nur für heute werde ich keine Angst haben.
Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen,
was schön ist, und an die Güte zu glauben.

(Papst Johannes XXIII)

08. Dezember

Es beruht aber die Feier dieses Festes
Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
auf einer doppelten Freude des katholischen Volkes: erstens, über den Augenblick, wo die heilige Mutter Anna aus besonderer Gnade Gottes in ihrem hohen Alter die allerseligste Jungfrau und Mutter unseres Herrn Jesu Christi empfangen hat; zweitens, dass die heilige Mutter Anna nicht bloß die allerseligste Jungfrau empfangen, sondern dass sie dieselbe auch unbefleckt, das heißt, frei von der Makel der Erbsünde, empfangen hat.

2. Advent

Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die zweite Kerze brennt.
So nehmet uns eins um das andere an
wie auch der Herr an uns getan

Freut euch, ihr Christen!
Freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr

06. Dezember

Einst half der Bischof von Myra den drei Töchtern eines armen Mannes, die kein Geld hatten. Sie sollten auf dem Markt als Mägde feilgeboten werden. Nikolaus hört von ihrer Not und warf ihnen nachts je einen großen Goldklumpen durch das Fenster. Mit dieser Mitgift konnten sie heiraten. Daher wird der heilige Nikolaus häufig mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln dargestellt.

05. Dezember – Der junge Mann und der Eremit

Ein junger Mann klagte einem Eremiten sein Leid: „Ich lese viele heilige
Texte, ich vertiefe mich in die Schönheit der Worte und möchte sie in mir
bewahren. Aber es gelingt mir nicht, ich vergesse alles. Ist nicht die mühevolle Arbeit des Lesens ganz umsonst?”
Der Eremit hörte ihm gut zu. Danach ließ er ihn einen schmutzverkrusteten Korb aufnehmen, der neben der Hütte stand: „Hol mir aus dem Brunnen dort Wasser”, sagte er. Widerwillig tat der Mann, wie ihm geheißen.
Das Wasser war längst herausgerieselt, als er zurück kehrte. „Geh noch
einmal”, sagte der Eremit. Der junge Mann folgte. Ein drittes und viertes
Mal musste er gehen. Der Alte prüft meinen Gehorsam, ehe er meine
Frage beantwortet, dachte er. Immer wieder füllte er Wasser in den Korb,
immer wieder rann es zu Boden. Nach dem zehnten Mal durfte er endlich aufhören.
„Sieh den Korb an”, sagte der Eremit. „Er ist ganz sauber”, sagte der
junge Mann. „So geht es dir mit den Worten, die du liest und bedenkst”,
sagte der Eremit. „Du kannst sie nicht festhalten, sie gehen durch dich
hindurch, und du hältst die Mühe für vergeblich. Aber, ohne dass du es
bemerkst, klären sie deine Gedanken und machen das Herz rein.”